DIE STURMBRAUT

[user][/user]Unruhig gehe ich in meiner armseligen Hütte zwischen den Dünen auf und ab. Obwohl halbwegs geschützt stehend, reißt und zerrt der Wind an den wackeligen Wänden.
Ich halte es nicht mehr aus … trotz der Kälte ist es mir zu warm, zu eng, zu stickig … ich muß raus.
Kaum vor der Tür, ergreift mich sofort eine dieser ungeheuren Böen und reißt mich fast um.
Hoch aufgetürmt, kaum voneinander zu unterscheiden, düstergrau in schwarz, werden die Wolken von dem brüllenden Sturmwind über den Himmel gehetzt. Unzählige Blitze verbreiten ein kurzzeitiges, gespenstiges Licht. Die nahen Donnerschläge, in rascher Folge, verstärken meine Weltuntergangsstimmung noch … Ragnarøk …
Doch ich muß raus, raus an den Strand … ich sehe nichts, die paukenden Donnerschläge machen mich fast taub … und doch … irgend etwas treibt mich … irgend etwas ist dort unten … unten am schäumenden, wogengepeitschtem, vom Wind und Wasser gepeinigtem, Strand … es treibt und hetzt mich, als wäre der Teufel selbst hinter mir her …
Meine Sachen sind im Nu durchnäßt, der dicke Sweater liegt triefend und schwer auf meinen Schultern … die Öljacke hängt neben der Tür, egal, keine Zeit … nur zum Strand …

Regentropfen fegen mir ins Gesicht, machen mich fast blind, schmerzen in meinen Augen aber ich muß los, muß weiter … Ich setzte mich wieder in Bewegung und stemme mich gegen die wilden Böen … mehr, härter, schneller … ich schaffe einen leichten Trab … komme dem Strand, der vom Wasser oder dem Himmel kaum zu unterscheiden ist, immer näher.

Ein weiterer dieser unzähligen Blitze zerreißt die Dunkelheit und da … da sehe ich dich … Dich, bis zu den Knien in diesem unendlichen, tobenden, wütend schäumenden Meer stehend … aufrecht, stark, herausfordernd … aber auch so verletzlich, ausgesetzt … das lange, dunkle Haar, obwohl schwer und strähnig vom Wasser, weht deinem Gesicht voraus … trotz der Düsternis stechen deine Augen hervor … zwei leuchtende Smaragde, im Wetterleuchten blitzen sie auf, wie das Feuer eines Leuchtturms … ich halte den Atem an … ein dünnes, weißes Etwas umschmiegt dich … zeichnet deine wohlgeformte Silhouette nach.
Deine schlanken, strammen Waden … deine wohlgerundeten Schenkel, die sanfte Wölbung deines Bauches über den Konturen zwischen deinen Schenkeln … deine sanft geschwungenen Brüste bei denen deine Brustwarzen frech und trotzig abstehen … trotzig wie du selber dem Meer und den Elementen trotzt … eine verwegene Meerjungfer, eine stolze, unbeugsame Sturmbraut …

Nicht mehr der Orkan nimmt mir den Atem … du, nur du bist es … Stumm, unbeweglich, trotz der tobenden Elemente stehst du dort … nur deine Augen sprechen … Was -?- Was sagen sie mir? Ich weiß es nicht, ich weiß nur, ich muß, muß, muß zu dir …
Wieder stemme ich mich gegen diesen grausamen, zerstörerischen Wind … arbeite mich heran … komme näher … und endlich stehe ich vor dir … endlich …
Ich ziehe dich an mich heran, ganz dicht … schau dir tief in deine blitzenden Augen … verliere mich in ihnen … nur einen winzigen Augenblick und doch … eine Ewigkeit …
Kraft und eine nie gekannte Sehnsucht durchströmen mich. Ich hebe dich in meine Arme, dein Haupt ruht sicher auf meiner Schulter. Von neuer Energie erfasst, trage ich dich aus den brausenden Wogen, aus den aufrührerischen Elementen heraus, zu den Dünen und der Sicherheit meiner Kate hin …

Endlich, endlich in Sicherheit. Frierend und zitternd stehst du vor mir … immer noch stumm, schaust du mich mit deinen unergründlichen, geheimnisvollen Augen an. Immer noch brennt ein undefinierbares Feuer in ihnen …
Schnell, eine warme Decke, ein Feuer … nur ein flüchtiger Gedanke … Ich muß dich wärmen …

Plötzlich, überraschend wie die Blitze, die den Himmel zerreißen, werde ich von Verlangen gepackt, eine wilde, ungezähmte Leidenschaft entflammt mich. Ich will dich wieder in meine starken Arme reißen, doch da fliegst du mir schon entgegen … deine Smaragde von der gleichen unergründlichen, ungestühmen Gier ergriffen wie ich …
Ein tiefer, ungehemmter Kuß … unsere Lippen treffen warm aufeinander, unsere Zungen ineinander verschlungen wie es gleich unsere Geschlechter sein werden …
Wir trinken unseren Atem … wir atmen unsere Seelen … vermischen uns … werden schon jetzt eins …

Hastig zerre ich mir die Kleider vom Leib, du kämpfst mit deinem Gewand … ich will, ich kann nicht warten … ich reiße dir dein Kleid von den Schultern, reiße es dir in Fetzen von deinem Körper … deinem wunderbaren, atemberaubenden Körper … Für den Bruchteil einer Sekunde nehme ich deinen schlanken, wohlgeformten Leib in mir auf, sauge ihn tief in mich ein …
Wie eine federleichte Brise umschwebt dich der Duft von Tang, von Salz und Meer und der Hauch deiner verlockenden, feuchten, schon bereiten Weiblichkeit …
Mit meiner Männlichkeit schon hoch erhoben und stürmisch pochend, mehr stoße als trage ich dich auf meine Pritsche … Es gibt kein Vorspiel, kein vorsichtiges an- und abtasten … im Jetzt unserer Leidenschaft ist kein Raum für Zärtlichkeit … nur unser gegenseitiges Verlangen, unsere gegenseitige Gier zählt …
Ungestüm spreizt du deine gebräunten, warmen Schenkel … streckst mir die geöffnete, feuchte, fast dampfende Muschel deines Verlangens entgegen und ohne zu zögern stoße ich mit dem Speer meines Geschlechts zu … dringe tief und tiefer in dich ein … Ein Aufschrei aus unseren Mündern … endlich, endlich spüren wir einander, wie wir uns schon seit Ewigkeiten hätten spüren sollen …
Wild und hemmungslos, wie der Orkan der um uns tobt, stoße ich zu und genauso wild und ungestüm drängst du dich mir entgegen … wir haben alles, alles um uns herum vergessen, es gibt nicht einmal mehr dich und mich … nur noch uns und unsere wild pochenden, brennenden, ineinander aufgehenden Geschlechter … Meine Arme pressen dich an mich, nichts hat mehr Platz zwischen uns … deine Schenkel umklammern mich wie Schraubstöcke, deine Finger krallen sich wie in Verzweiflung in meinen Rücken … Deine warme, feuchte Leideschaft umfließt mein Gemächt, so, wie du vom Meer umflossen wurdest … Härter, schneller, wilder stoße ich zu, in deine willige, weiche, warme Liebesmuschel … du saugst mich auf … ich versinke in dir …
Immer und immer wieder werfen wir uns einander entgegen, unser Stöhnen übertönt sogar den Donner … Weiter, immer weiter, tiefer, schneller … unser Herzschlag bleibt fast hinter unseren wilden, ungestümen, ungezügelten Stößen zurück … wie rasend vor Wut sind wir ineinander verkeilt …
Aber endlich … endlich kommt die Erlösung für uns … ein letzter, wilder Aufschrei von uns und ich ergieße mich in dein zuckendes, warmes Fleisch … … …

Erschöpft und erfüllt holen wir tief Luft … eine Luft die immer noch vom schweren Moschusduft unserer Leidenschaft geschwängert ist … Langsam lösen wir uns, kaum merklich, voneinander. Jetzt haben wir Zeit, unser erster, wilder Hunger, diese plötzliche brennende Gier ist gestillt.

Ich schaue dir in dein liebliches, gerötetes Antlitz, sauge jede Pore, jeden Tropfen Schweiß in mich auf … Wir schmiegen uns immer noch aneinander … ich lasse mich in deine wunderbaren, unergründlichen Augen, die wie ein verzauberter Waldsee in der Sonne blinken, tiefer und tiefer sinken.
Endlich haben wir Zeit, das Versäumte nachzuholen … Sanft gehen unsere Hände auf Erkundung über unsere Leiber … Ich erforsche die sanften Hügel deiner Brüste, fordere die Steifheit deiner Nippel mit meiner Zunge heraus … diese prachtvolle Gestalt, halb unter mir, dieses Urweib, diese Venus, die mir vom Meer und vom Sturm geschenkt wurde, wird von meinen Händen und meinen Lippen ertastet, erforscht und behutsam nachgezeichnet …
Das Ende hat uns zum Anfang gebracht und sanft, spielerisch, neckend küssen wir einander um dann … … …

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